Der Ortsteil Dörrmorsbach
„Warum gibt es den Höhenort Dörrmorsbach?“
Mit dieser Frage beschäftigte sich der Archäologe Gerrit Himmelsbach vom Archäologischen Spessartprojekt in einem Vortrag im ehemaligen Schulsaal, der heute als Bürgerhaus genutzt wird. Eingeladen hatte der Heimat- und Geschichtsverein, und zahlreiche Zuhörer folgten interessiert den Ausführungen. Die Gründung eines Dorfes auf der Höhe sei ungewöhnlich, erläuterte Himmelsbach. Dörrmorsbach verfüge lediglich über das Quellgebiet eines kleinen Baches, zudem seien die umliegenden Wiesen und Felder wenig ertragreich gewesen. Dennoch belege eine Vielzahl historischer Quellen die frühere Bedeutung des Ortes.
So findet sich Dörrmorsbach bereits auf der Maskoopkarte von 1675 als „Dorn-Morsbach“ in der Nähe von Aschaffenburg. Auf der Spessartkarte von Paul Pfinzing aus dem Jahr 1594 ist „Durmerspach“ gleich groß dargestellt wie die umliegenden Orte. Auch im Koppelfutterregister von 1280, einer mittelalterlichen Steuerliste, erscheint „Durrinmorspach“ mit einer Abgabe von zwei Malter Getreide. Die sogenannte Echter-Karte von 1596 bestätigt ebenfalls die Bedeutung des Ortes. Besonders aufschlussreich sei dort ein eingezeichneter Weg von Aschaffenburg über Dörrmorsbach nach Heimbuchenthal, erklärte Himmelsbach.
Im Bereich der „Hohen Wart“ ist ein Zollposten, eine sogenannte „Schlege“, vermerkt. Dies deute darauf hin, dass hier Wegezoll erhoben wurde und somit ein reger Durchgangsverkehr bestand. Auch die heute noch gut erkennbaren Hohlwege von Dörrmorsbach über den Pfaffenberg hinauf zur Hohen Wart zeugen von einer intensiven Nutzung. Ob diese Wege vor allem der Holzwirtschaft der Stadt Aschaffenburg dienten oder eine Verbindung zum nahegelegenen historischen Eselsweg darstellten, sei noch nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich habe es sich um einen Zuweg zum Eselsweg bei Krausenbach gehandelt. Mit dem Ausbau der alten Heer- und Poststraße im 18. Jahrhundert – der heutigen Staatsstraße 2312/B8 von Aschaffenburg nach Würzburg – verlor diese Wegeverbindung jedoch an Bedeutung.
Anhand historischer Fotografien zeigte Himmelsbach den besonderen Charme Dörrmorsbachs. Auch wenn es heute keine Schule, kein Gasthaus und kein Geschäft mehr gebe, fühlten sich die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem rund 500 Einwohner zählenden Ort nach wie vor sehr wohl.
Bild: Am Bürgerhaus in Dörrmorsbach wurden alte Grenzsteine in einer kleinen Anlage gesichert. Eine Informationstafel weist auf die Bedeutung hin. Gerrit Himmelsbach vom archäologischen Spessartprojekt (Mitte) überreichte die neue Tafel an den Heimat- und Geschichtsvereinsvorsitzenden Christian Fuchs (links) und den Ortsteilbeauftragten des Vereins, Günter Stahl (rechts).
